Vor einiger Zeit war ich bei einem Auftritt von Volker Pispers im Aachener Audimax. Pispers erzählt am Anfang seines Auftritts öfters, dass man alle Kabarettkarten aufbewahren soll um später beweisen zu können, dass man Teil des politischen Widerstands war. Aber ist Kabarett das wirklich?
Am Anfang des durchweg gelungenen Auftritts habe ich gut gelacht. Aber gegen Ende ist mir das Lachen ehrlich gesagt ein bisschen vergangen. Pispers schafft es innerhalb weniger Stunden klar zumachen was alles schief läuft und aufzuzeigen wie absurd die heutige Politik ist. Dort sitzen dann ungefähr 1000 gut gebildete Leute und hören sich das als Abendunterhaltung an. Aber was passiert dann? Verändert sich dadurch wirklich etwas?
Ich fürchte die Antwort lautet nein. Auf dem Heimweg wird sicherlich darüber gesprochen und vielleicht denkt der ein oder andere in den folgenden Tagen noch darüber nach. Aber konkrete Handlungen folgen aus dem Kabarett-Besuch wohl eher nicht. Das soeben gelernte wird vielleicht auch in die ein oder andere politische Diskussion mit einfließen und am Ende bei der Wahlentscheidung mit berücksichtigt. Aber da sind wir auch schon beim nächsten Dilemma.
Das Geschäftsmodell des Kabarett ist es, auf lustige Art und Weise darzustellen wie absurd die Politik ist. Dies funktioniert aber am besten wenn man darstellen kann, dass alle Parteien das Problem auf verschiedene Art falsch anpacken. Würde ein Kabarettist darstellen, dass etwas schiefläuft, aber Partei X eine Lösung parat hat, wäre es wohl nicht mehr so lustig.
Dazu kommt, dass ein Kabarettist der zur tatsächlichen Lösung der Probleme beiträgt, sich sein eigenes Geschäftsmodell kaputt macht. Denn dann gäbe es ja eine Sache weniger die man im Programm aufgreifen kann. Ich unterstelle nicht, dass Pispers das selbst so sieht oder entsprechend handelt, finde das aber einen interessanten Gedankengang.
Interessant war an diesem Abend auch folgendes: Nach ungefähr zwei Drittel des Programms stand ein Zuschauer auf und rief in einem fast schon flehenden Tonfall: „Herr Pispers, wann gehen Sie endlich in die Politik?“. Pispers erklärte daraufhin sinngemäß, dass er besser erklären könne und das es auch Leute braucht die anderen erklären wo die Probleme liegen.
Was ist nun also der Sinn des Kabarett? Zweifelsohne trägt politisches Kabarett zum Diskurs in der Gesellschaft bei. Aber trotzdem finde ich es ein komisches Gefühl, dass die Probleme mit denen wir uns dringend beschäftigen müssten als Abendunterhaltung dienen. Und um wirklich etwas zu verändern, ist wohl mehr als der Besuch einer Kabarettvorstellung nötig.