Obwohl es viel zu bloggen gegeben hätte bin ich die letzten Monate nicht dazu gekommen. Grund war die vorgezogene Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen bei der ich für die Piraten im Wahlkreis Aachen II kandidiert habe. Mit 8,44% der Stimmen (4. Platz) habe ich es zwar nicht in den Landtag geschafft, aber dennoch war es sehr erfolgreich. Für die Piraten und für mich persönlich.
Für die Piraten
Wir haben es bei dieser Landtagswahl geschafft in allen 128 Wahlkreisen in NRW Direktkandidaten aufzustellen. Auch wenn wir als kleine Partei so gut wie keine Erfolgschancen auf einen direkt gewählten Landtagsabgeordneten hatten, war dies trotzdem sehr wichtig. Wir waren auf dem Stimmzettel deutlicher sichtbar, wurden zu mehr Veranstaltungen eingeladen und waren stärker in der Presse präsent. Außerdem wurden die Direktkandidaten über Plattformen wie Abgeordnetenwatch oder auf direktem Wege von Bürgern zu Ihrer Meinung befragt. Durch die Direktkandidaten hatten wir also mehr Kommunikationskanäle um mit dem Bürger in Kontakt zu treten.
Hierbei stand für mich stets im Vordergrund über die Piraten zu informieren, für unsere Gesellschaft wichtige Themen zu diskutieren und den politischen Diskurs nach vorne zu bringen. Ein Wahlkampf zum reinen Optimieren der Prozente beim Wahlergebnis wäre für mich nicht vorstellbar gewesen. Unter diesem Gesichtspunkt hätte ich wohl auch die ein oder andere Veranstaltung aufgrund zu geringer Reichweite absagen müssen.
Für mich persönlich
Aber auch für mich persönlich war die Kandidatur eine wertvolle Erfahrung. Durch die vielseitigen Anfragen die an mich herangetragen wurden habe ich mich mit verschiedensten politischen Fragestellungen befasst und dadurch neues Wissen für mich erschlossen. Die vielen Diskussionen an Infoständen, bei Informationsabenden und Podiumsdiskussionen haben mir neue Blickwinkel auf politische Fragestellungen ermöglicht und geholfen weitere Zusammenhänge zu erkennen. Darüber hinaus konnte ich durch Zeitungs- und Fernsehinterviews, sowie Podiumsdiskussionen wertvolle praktische Erfahrungen sammeln.
Natürlich gibt es all das nicht einfach so. Die Schattenseite des Ganzen war sehr, sehr viel Arbeit. Ich war auf mehr als 10 Infoständen, hatte circa 15 Interview-Termine, habe 3 Vorträge gehalten, war bei 3 Podiumsdiskussionen und habe zig Anfragen von Bürgern und Organisationen beantwortet. Neben der Arbeit als Direktkandidat habe ich auf Landesebene im Bereich Hochschulpolitik gearbeitet, war weiter in der Aachener Kommunalpolitik aktiv und habe die letzten Wochen des Wahlkampfs die Koordination der Infostände übernommen. Meistens war ich erst spät Abends zu Hause und hatte dann noch ein bis zwei Stunden “Büroarbeit” vor mir. Das Alles neben dem normalen Job unterzukriegen war für mich schon eine Herausforderung.
Es war es wert
Auch wenn es viel Arbeit war, so war es die Sache auf jeden Fall wert. Neben den Vorteilen für die Partei und mich persönlich, fand ich es eine wundervolle Erfahrung das Interesse der Menschen an Politik zu erleben. Vor Allem bei den Infoständen wurde dies klar sichtbar. Viele Bürger kamen mit guten und wichtigen Fragen zu uns. Neben der Tatsache die Standpunkte der Piraten erklären zu können, fand ich es toll mit Bürgern zu diskutieren und zu sehen wie auf beiden Seiten Denkprozesse in Gang gesetzt wurden. Überwältigend war für mich auch zu sehen, dass für viele Bürger Politik eben mehr als ein Kreuzchen machen ist und es ein breites Interesse an politischer Partizipation gibt. Nun hoffe ich, dass wir im Landtag tatsächlich etwas in dieser Richtung bewegen können und die Erwartungen die wir geweckt haben auch erfüllen.
Ahoi, gut geschriebener Beitrag.
Dank für Deine Mühe auch von meiner Seite.
Besonders freut mich, dass es Dir auch persönlich etwas gebracht hat.
Auch ich hoffe, dass die 20 Piraten im LT etwas bewegen werden.
Mit piratigem Gruß
62captain